Auch so geht Bauen – Wardenburger Wohnungsbaugenossenschaft stellt sich vor
Baupolitik und bezahlbares Wohnen sind aktuell enorm wichtige Themen. Für unser erstes öffentliches Treffen 2026 am 18. Februar konnten wir Detlev Bollmann von der Wohnungsbaugenossenschaft Wardenburg gewinnen. Was war die Idee und wie konnte sie in Angriff genommen werden? Detlev Bollmann erzählte von den ersten Schritten, die zur Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft führten und von den Plänen für ein erstes Bauvorhaben. Der Weg bis dahin war lang und manchmal auch mühsam, etwa als der russische Krieg gegen die Ukraine die ersten Baupläne zunichte machte. Aber Überzeugung und der lange Atem führen zum Erfolg. Der Baubeginn eines ersten Bauvorhabens von 4 Sozialwohnungen steht kurz bevor, das Interesse und die Offenheit für genossenschaftliches Bauen hat deutlich zugenommen: in der Bevölkerung, in der Politik und in der Verwaltung. Ein alternatives, gemeinschaftliches soziales Bauen ist möglich. Die Wardenburger zeigen: Soziales Bauen geht!

Die Wardenburger Genossenschaft will bezahlbaren Wohnraum schaffen, aber auch für gute, durchmischte Wohnquartiere sorgen. 2020 gegründet engagieren sich hier inzwischen 70 GenossenInnen. Dabei sind auch Firmen und Fachleute aus der Baubranche. Einbezogen werden Ortsvereine und viele in der Gemeinde engagierte Vereine und Initiativen. Gemeinsam ist vieles möglich.
Der Wardenburger Rat unterstützt die Initiative und hat einstimmig entschieden, ein Grundstück in einem Neubaugebiet an die Wohnungsbaugenossenschaft zu vergeben. Anders als bei Investoren üblich sollen die Mieten der Genossenschaftswohnungen dauerhaft niedrig bleiben, denn auch nach Ablauf der Sozialbindung wird die Genossenschaft kostendeckend und nicht gewinnorientiert vermieten. MieterInnen müssen dadurch auch langfristig keine Eigenbedarfskündigungen oder auf Gewinn ausgelegte Mieterhöhungen befürchten. Und steht erst das erste Mehrfamilienhaus wird es für die Genossenschaft leichter, weiter zu bauen und weitergehende Vorhaben anzugehen z.B. Bauen im Bestand bei dem es darum geht, Bausubstanz zu erhalten statt abzureißen.
Das Besondere am Konzept Genossenschaft: alle AnteilseignerInnen entscheiden und tragen die Verantwortung gemeinsam. Wer kein Mitglied werden aber dennoch die Vorhaben unterstützen will, kann dies mit einem Darlehen tun. Inzwischen sind aus den beiden Initiatoren eine Gruppe geworden, 30 Personen haben die Genossenschaft gegründet und ca. 90 Interessierte werden regelmäßig auf dem Laufenden gehalten. Sie alle hat der Genossenschafts-Gedanke überzeugt.
Solche Ansätze beim Wohnungsbau gibt es in Edewecht nicht. Auch die Ammerländer Wohnungsbau-Gesellschaft mbH ist in Edewecht nicht aktiv. Hier sind aktuell fürs ganze Ammerland zwei Projekte von je 8 Wohneinheiten in Rastede und Apen in der Planung. Aber die Wardenburger sind offen für eine mögliche Zusammenarbeit. Dazu bräuchte es eine Edewechter Initiative für ein Bauvorhaben in unserer Gemeinde.
Bei den rasant gestiegenen Mieten, die inzwischen bis 14,00 Euro/qm hoch gehen brauchen wir in Edewecht deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum auch für Menschen mit niedrigerem Einkommen. Der Blick in die Nachbargemeinde hat sich gelohnt. Wer weiß, vielleicht entsteht ja eine Edewechter Initiative. Wir werden sie unterstützen.
Mehr unter www.wohnungsbaugenossenschaft-wardenburg.de
Margaretha Kurmann
